Mit „Ayurveda“ wird in letzter Zeit viel Werbung gemacht, der Begriff findet sich auf Musik-CDs, Tee oder Kosmetik, ebenso füllt das Thema ganze Magazine und Therapeuten werben mit einer Zusatzausbildung in Ayurveda an ihrer Praxistür. Ayurveda-Kuren boomen, denn viele Menschen versprechen sich Linderung von Erkrankungen oder einfach Entspannung vom Alltag.
Doch was haben diese Angebote mit dem ursprünglichen Ayurveda aus dem alten Indien gemeinsam?
Der Begriff Ayurveda stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen) zusammen, kann also als Lebenswissenschaft übersetzt werden.
Erstaunlicherweise entwickelte sich schon vor mehr als 2000 Jahren in Indien eine hoch entwickelte Medizin.
Einer der ältesten Schriften, die ayurvedisches Wissen enthält, ist die Caraka-Samhita. Es ist beeindruckend, wie detailliert dort Hunderte von Krankheiten und Symptome beschrieben werden und Angaben zu Ursachen, Therapien und Arzneien gemacht werden.
Seit den achtziger Jahren wird das Wissen des Ayurveda durch intensiven Austausch zwischen Ärzten aus Ost und West auch zu uns gebracht. In Indien ist Ayurveda bis in unsere Zeit der Kern des Gesundheitssystems und Ärzte studieren ayurvedische Medizin bis zu 9 Jahre lang an den dortigen Universitäten.
In Deutschland gibt es bislang nur wenige Möglichkeiten Ayurveda zu lernen und es handelt sich um keine geschützte Bezeichnung. Es gibt aber Ansätze Ayurveda in die hiesige Medizin zu integrieren. Ayurveda-Therapien müssen grundsätzlich selbst finanziert werden.
Eine Besonderheit der ayurvedischen Medizin ist die Betrachtung des Menschen aus einer ganzheitlichen Sicht. Die Behandlung berücksichtigt viele Aspekte des Lebens z.B. Ernährungsgewohnheiten. Wichtig für die Gesundheit ist auch eine optimistische Einstellung ohne Gefühle wie Angst, Sorge und Haß.
Ayurveda weist damit viele Parallelen zum Yoga auf. Es geht bei beidem um Ausgeglichenheit und Eins-Sein mit seiner Umwelt.
Im Zentrum der ayurvedischen Lehre stehen die fünf Grundelemente und die drei Doshas. Die fünf Elemente sind Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Diesen Elementen liegen die drei Doshas bzw. Temperamente zugrunde. Sie regeln alle geistigen und körperlichen Funktionen des menschlichen Körpers.
Vata ist mit Eigenschaften wie leicht, trocken, fein, kalt und flüchtig verbunden. Sie neigt zu Impulsivität und muss behutsam gezügelt werden, um die Ausgewogenheit wiederherzustellen.
Pitta basiert auf dem Element Feuer und wirkt heiss, trocken, scharf oder stechend. Positiv eingesetzt kann sie sich als dynamische Kraft auswirken, negativ führt sie zu Ärger und Unzufriedenheit.
Kapha, auch „Schleim“ wirkt erdend und steht für Festigkeit, Schwere und Kraft. Zu viel Kapha führt zu Frösteln und Trägheit.
Beim Ayurveda entwickelt der Arzt seine Diagnose und Therapie auf Grundlage der Konstitution bzw. des vorherrschenden Dosha Typs. Ein Ungleichgewicht zwischen den Doshas, das durch falsche Lebensgewohnheiten entsteht, macht krank, ein Ausgleich ist das Ziel der Therapie.
Die Anwendung von Arzneien, Kräutern und Heilpflanzen ist ein Geheimnis des Ayurveda. Pflanzen haben in der ayurvedischen Lehre ein individuelles Schwingungsmuster, das von unseren Körperzellen identifiziert wird und ihre Wirkung kann längerfristig wieder Harmonie im Körper herstellen.
Ölmassagen, Kräuter-Dampfbad oder Güsse und eine vegetarische Kost gehören zu den angenehmen Seiten einer Ayurveda-Kur.
Pancha Karma („die fünf Handlungen“) bezeichnet eine Reinigungskur des Ayurveda, die nur in Kliniken von Ärzten durchgeführt wird. Der Organismus wird entschlackt und von Toxinen befreit. Wie bei allen Ayurveda Behandlungen fühlt man sich hinterher voll Vitalität, Frische und Lebensfreude.