Jnana-Yoga ist die spirituelle Art des Yoga und beinhaltet auch dessen philosophischen Aspekt. Der Name an sich bedeutet "Erkenntnis" und leitet sich von Jnanamarga (Weg des Wissens) ab. Er ist ausserdem in der Bedeutung mit dem griechischen Gnosis verwandt.
Im Jnana-Yoga wird nach der Erkenntnis der letzten Wahrheit, und der Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburt (Moksha) gestrebt.
Die Lehre des Karma und der Reinkarnation ist also von zentraler Bedeutung.
Im Hinduismus gilt Avidya (das Nichtwissen) als grösstes Übel und als Ursache der Wiedergeburt, daher ist das Ziel des Jnana-Yoga nicht nur intellektuelles Einzelwissen sondern die Erlangung von Weisheit. Nach der hinduistischen Philosophie des Advaita ist diese bereits vorhanden und muss nur noch enthüllt werden.
Haupttechniken im Jnana-Yoga sind Meditationen um die folgenden Fragen zu lösen:
-Wer bin ich?
-Wer ist dieser Handelnde?
-Woher komme ich?
-Woher kommt die Welt?
-Was ist der Sinn des Lebens?
-Was ist wirklich?
In der Praxis herrschen drei, sich abwechselnde, Phasen vor, die in Zyklen absolviert werden:
-Shravana: Zuhören/ Unterricht (Satsang) im Beisein eines Lehrers (Guru)
-Manana: Reflexion/ Verinnerlichung des erworbenen Wissens
-Nididhyasana: Meditation/ der Schüler erlangt Verständnis und Erkenntnis
Ein weiteres Element des Jnana-Yoga sind die vier Mittel der Erlösung (Sadhana Chatushtaya), die aufeinander aufbauen:
-Viveka: die Unterscheidung zwischen Realität, dem was unveränderlich ist und was vergänglich ist
-Valragya: die Abneigung gegen weltliche Dinge, Loslösung von Vergänglichem
-Shadsampat: Die sechs Tugenden (Geisteskontrolle, Sinneskontrolle, Entsagung schädlicher Handlungen, Ausdauer, Glaube, innere Sammlung) zu erreichen, da nur sie zur notwendigen Loslösung und der Unterscheidung führen können
-Mumukshutva: der intensive Wunsch nach Erkenntnis und Befreiung; dieser muss letztlich losgelassen werden um tatsächliche Befreiung zu erreichen
Last but not least drückt sich die Wahrheit in den vier Mahavakyas (die grossen Sprüche des Upanishaden) aus:
-Tat tvam asi: Du bist das Brahman
-Aham brahmasmi: Ich bin Brahman
-Ayam atma brahma- Individuen und Weltseele sind eins
-Prajnanam brahman: Bewusstsein ist Brahman
Durch all dies wird die Verfeinerung der geistigen Analyse und des Bewusstseins angestrebt.
Jnana-Yoga ist die schwierigste Yoga-Art und erfordert einen scharfen Geist und klaren Verstand.