Kriya, Reinigung im Yoga

Kriya, Reinigung im Yoga

Neuer Beitragvon Shiguri am Do 10. Sep 2009, 12:10

Im Hatha Yoga sind verschiedene körperliche Reinigungstechniken, Kriyas bekannt, die auf diverse Arten die Ausscheidungssyteme des Körpers anregen sollen. Wie diese Art der Reinigung im Yoga funktioniert, soll im folgenden Artikel näher erklärt werden.

Es gibt unzählige Arten von Kriyas (Sanskrit: kriya = Handlung, Tat), die im Hatha Yoga zur Reinigung eingesetzt werden. Am wichtigsten und bekanntesten sind jedoch sechs Übungen, auch Shatkriyas (Sanskrit: shat = sechs) genannt, die im Hatha Yoga Pradipika, einer wichtigen Yoga Schrift, beschrieben werden.
Diese Kriyas lauten:

1.Trataka
Bei dieser Kriya wird ein Objekt, häufig eine Kerzenflamme, aus ca. einem Meter Entfernung angestarrt, bis die Augen zu Tränen beginnen. Durch den Tränenfluss soll eine Reinigung der Augen erfolgen. Im Yoga ist diese Kriya auch als Meditationsform bekannt.

2.Neti
Diese Kriya umfasst zwei verschiedene Reinigungstechniken der Nase. Zum einen die Nasenschleimhautmassage und zum anderen, die bekanntere Nasenreinigung mittels Spülung.
Für die Nasenspülung wird eine Nasendusche verwendet, die mit einer leicht salzhaltigen Lösung gefüllt ist. Zur Reinigung der Nase wird die Dusche an einem Nasenloch angesetzt und der Kopf leicht schräg gehalten, so dass die Lösung zum anderen Nasenloch herausfließen kann. Das Gaumensegel verhindert dabei, das Wasser in den Rachen fließt.
Die Massage erfolgt mit einem Faden, der durch die Nase und aus dem Mund gezogen wird, was zu einer Verbesserung der Durchblutung führen soll.

3.Kapalabhati
Bei dieser Kriya handelt es sich um die Lungenreinigung durch Schnellatmung, die auch in den Bereich der Pranayamas, der Atemübungen des Yoga fällt . Im Kundalini Yoga wird diese Kriya Feueratem genannt. Kapalabhati wird im Yoga auch als Vorbereitung auf die Meditation genutzt, da es nicht nur eine Lungenreinigung, sondern auch eine Art Reinigung oder Leerung des Geistes hervorrufen soll.

4.Dhauti
Dhauti ist die Reinigung des oberen Verdauungskanals, also des Mundes, der Speiseröhre und des Magens. Im Yoga gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Kriyas umzusetzen.
Zu dieser Reinigungstechnik zählt das Säubern der Zähne, die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber und das Spülen des Mundes mit Sesamöl.
Die bekannteste Art der Speiseröhrenreinigung erfolgt im Yoga dadurch, dass eine Mullbinde geschluckt und dann langsam wieder herausgezogen wird. Die Reinigung des Magens soll erreicht werden, in dem etwa 2 Liter Wasser verschluckt und anschliessend wieder erbrochen werden.

5.Nauli
Diese Kriya soll der Reinigung der Verdauungsorgane, insbesondere des Dünndarms, dienen. Durch kreisförmige Bewegungen der Bauchmuskulatur wird eine Massage der inneren Bauchorgane erreicht. Diese Kriya ist nur mit viel Aufwand und Geduld zu erlernen und ist im Yoga auch als Mittel gegen Darmträgheit bekannt.

6.Basti
Basti ist die Kriya zur Reinigung des Dickdarms.
Die klassische Variante ist hierbei, sich in ein möglichst fließendes Gewässer zu hocken und mittels kontrahieren und entspannen des Schließmuskels Wasser in den Darmbereich einzusaugen, das dann durch den Anus wieder ausgeschieden wird.
Im modernen Hatha Yoga und Ayurveda wird zur Reinigung des Darms jedoch meist ein klassischer Einlauf verwendet, der allerdings bei häufiger Anwendung die Gefahr der Darmträgheit birgt.
Eine weitere Form dieser Kriya wird in einer sitzenden Vorwärtsbeuge auf einer Yoga Matte geübt, wobei Beckenboden und Anusschließmuskulatur kontrahiert und wieder entspannt werden. Diese Yoga Übung dient, neben der Reinigung, auch dem Anregen der Verdauung und hilft gegen Blähungen und Verstopfung.

Kriyas sind Reinigungstechniken, die nicht in allen Yoga Arten und Schulen angewendet werden. Besonders im westlichen Yoga werden Kriyas nur selten eingesetzt und ihr Gebrauch ist hier umstritten. Während die einen auf die geistig-spirituelle Reinigungskapazität der Kriyas schwören, halten die anderen sie für ein Mittel, das den ohnehin schon übertriebenen Hang zur Reinigung im Westen noch verstärkt.
Zumindest die Nasenspülung hat aber auch bei uns mittlerweile Einzug gefunden und wird häufig von Ärzten als Mittel gegen Heuschnupfenbeschwerden oder zur Vorbeugung von grippalen Infekten empfohlen.
Die Reinigung der Zunge und Zähne ist nicht nur im Yoga eine Selbstverständlichkeit, sondern wird weltweit von Zahnärzten propagiert.
Andere der oben genannten Kriyas mögen uns merkwürdig erscheinen, vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit sind sie jedoch als äußerst sinnvoll zu bewerten.
Die hygienischen Verhältnisse waren definitiv nicht mit den heutigen zu vergleichen, weswegen in Indien beispielsweise äußerst scharf gekocht wurde, um Bakterien abzutöten und den Stoffwechsel anzuregen. Da im Yoga jedoch darauf verwiesen wird, das Yogis nicht zu scharf essen dürfen, da das eine Überaktivität ( im Yoga = raja) fördern würde, wurden statt dessen die Kriyas als yogagerechte Reinigungsmethode etabliert.

Ob man sich nun für oder gegen Kriyas als Reinigungstechnik und Bestandteil der Yogapraxis entscheidet, bleibt den eigenen Vorlieben überlassen.
Wenn ja ist die Anleitung durch einen erfahrenen Yogalehrer zum Erlernen der Kriyas und die vorherige Absprache mit einem Facharzt, der eventuelle Vorerkrankungen ausschliessen sollte jedoch absolut notwendig.
Shiguri
 
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Registriert: Di 18. Aug 2009, 11:33

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