Die Wurzeln des Yogas
Yoga beruht auf einer Tradition, die einige Tausend Jahre alt ist und die sich aus verschiedenen geistigen und spirituellen Strömungen Indiens entwickelt hat. Die ersten Abbildungen von Menschen in Yoga-Haltungen finden sich auf Steintafeln, deren Alter auf den Zeitraum von vor über 5000 Jahren datiert wird.
Das Wissen um Übungen für Körper, Geist und Seele, die den Menschen heilen können, gehört zur ältesten Weisheit der Menschheit.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Yoga in Europa und Amerika bekannt. Europäischer Indologen und Religionswissenschaftler entdeckten Grundlagentexte des Yogas und machten sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Die Techniken des Yogas wurden überprüft und den gegenwärtigen Bedürfnissen des Menschen angepasst. Die ersten medizinischen und sportwissenschaftlichen Forschungen zu den Wirkungen des Yogas bewiesen, dass ein Regelmäßiges praktizieren von Yoga positive Resultate erzielt, z. B. bei der Linderung von Rückenproblemen, Spannungskopfschmerzen, chronische Schlafstörungen, Depressionen, hohem Blutdruck und vielen anderen psychosomatischen Erkrankungen.
Mittlerweile ist Yoga eine populäre Methode. Der Akzent liegt eher bei einem gesundheits- und fitnessotientierten Übungsweg. Der spirituelle Aspekt des Yogas geriet dabei mehr in Vergessenheit.
Seit einigen Jahren setzt sich im Yoga wieder mehr der Aspekt der Spiritualität durch. Gemeint ist ein Prozess der Selbstfindung, der Selbstverwirklichung eine Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung. Der Mensch wird sich als Suchender/Suchende seines „Ursprungs“ bewusst. Dies kann sowohl ein innewohnendes göttliches als auch ein transzendentes Sein* (Natur, Höheres Ich). Aus diesem Bewusstsein heraus verspürt er/sie eine Verbindung mit der Natur und allem Sein. Diese gelebte Spiritualität ist an keine Konfession gebunden.
Was erwartest du vom Yoga? Auf diese Frage äußern meine Teilnehmenden in den Yogakursen immer den Wunsch nach irgendeiner Form von Veränderung:
Neben Entspannung, Beweglichkeit, Vitalität und Kraft möchten immer mehr Menschen in meinen Kursen sich selbst besser kennenlernen, suchen geistige Klarheit oder Selbsterkenntnis.
Welche Bedingungen/Voraussetzungen braucht es, damit durch Yoga tatsächlich Veränderung stattfinden können?
Was benötige ich für diese Reise?
Der innere Weg des Yoga
Yoga ist die Beschäftigung mit und an unserem Körper. Es bildet die Grundlage und Vorbereitung auf die Arbeit an unseren Denkgewohnheiten und unserem Geist. Haben wir unseren Körper ausreichend bewegt, sodass er sich entspannen kann, dann beginnt der innere Weg des Yoga.
Je nach den Wünschen und Bedürfnissen des Einzelnen kann das Praktizieren von Yoga dazu führen, innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Klarheit zu finden, so dass der alltägliche Umgang mit sich selbst und mit anderen Menschen zugewandter und entspannter wird.
Achtsamkeit
Jeder der Yoga übt, hat die Erfahrung gemacht, dass man hierzu eine hohe Konzentration braucht. Alle Übungen des Yogas haben die Entwicklung einer Achtsamkeit sich selbst gegenüber zum Ziel. Die Schulung der Achtsamkeit ist ein wesentliches Moment der Yogapraxis.
Dadurch kann ein besseres Verständnis von sich selbst gewonnen werden. Die eigenen Grenzen können besser eingeschätzt und akzeptiert werden.
Achtsamkeit bedeutet eine bewusste, aufmerksame, akzeptierende Grundhaltung gegenüber allen Bewusstseinsinhalten im gegenwärtigen Moment. Die ungeteilte Aufmerksamkeit ist auf den jetzigen Augenblick ausgerichtet – auf das, was innerlich gerade geschieht. Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen und Impulse werden mit einer nicht-wertenden, annehmenden Haltung beobachtet, mit der Absicht, sie genauer wahrzunehmen, ohne sie sofort verändern zu wollen.
Erst durch diese innere Haltung kann dann auch eine Übung als yogisch bezeichnet werden. Yoga ist ein Weg zu persönlichem Wachstum.
Die innere Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist von großer Bedeutung.
Beobachte ich meine Gedanken und Gefühle, z. B. genauso wie im Alltag während meiner Yogapraxis.
Dadurch dass ich meine Gedanken und Gefühle, z. B. während des Yogaübens, genauso aber auch im Alltag beobachte, rücken sie in mein Bewusstsein. So kann mir mehr und mehr bewusst werden, was ich denke und wie ich mit mir umgehe.
In der paschimottanasana der grundlegenden Vorwärtsbeuge in Sitzhaltung - einer intensiven Dehnung der Rückseite des Körpers - bemerke ich wie verspannt oder verkürzt meine Muskeln sind. Die gewohnte Reaktion ist eine negative Bemerkung. Ich ärgere mich, dass meine Hände nicht zu den Knien reichen. Wenn ich die anderen Übenden beobachte, die flexibler sind und mit einer Leichtigkeit mit ihren Händen die Zehenspitzen erreichen, verstärkt sich mein Unmut über meine Steifheit.
Es ist bei der Yogaübung genauso wie im täglichen Leben: wenn ich eine Schwäche in mir entdecke, wird sie sofort bewertet, und ich reagiere mit Verachtung oder Verärgerung mir gegenüber.
Die Erweckung des inneren Beobachters
Mit dem inneren Beobachter gelingt es nun, diese Haltung zu verlassen, statt dessen aus der Distanz zu schauen und festzustellen: Ich bin nicht die Grenze, die Schwäche - es ist ein Teil von mir, etwas das momentan zu mir gehört, aber mich nicht allein ausmacht.
Die konkrete Übung, meine Wahrnehmung und mich selbst immer weniger zu bewerten, ist eine Grundlage für das Üben von Nichtidentifikation und Leidenschaftslosigkeit auf dem Yogaweg.
Diese Achtsamkeit ist uns nicht nur beim Ausüben von asanas hilfreich, auch die Herausforderungen des Alltags und des Lebens können wir besser meistern!
Wie kann ich meinen inneren Beobachter oder meinen inneren Zeugen zum Leben erwecken? Ich benötige Abstand zu meinen Gefühlen und Gedanken, die pausenlos durch unseren Geist strömen.
Abb.1 zeigt den Menschen in der Mitte, der ständig von seinen Gedanken torpediert wird und sich mit ihnen identifiziert.
Abb.2 zeigt einen Menschen, dessen innerer Beobachter oder Zeuge seine Gedanken beobachtet, ohne sich mit ihnen zu identifizieren.
Um sich selbst ein Zeuge sein zu können, braucht man einen gewissen Abstand zu den Gedanken und Gefühlen, die tagtäglich pausenlos durch unser Gehirn strömen. Aus Rolle des Beobachters gelingt es mir eher, einen Standpunkt einzunehmen, der nicht von persönlichen Gefühlen und Abneigungen geprägt ist. mit der inneren Achtsamkeit beobachten wir uns selbst und versuchen bewusster zu agieren, indem wir uns nicht immer so negativ bewerten. Damit gelingt es immer öfter, im Sinne des Yogas, Handlungen in einer liebevollen und sorgenden Haltung auszuführen.
Eine Übung um den inneren BeobachterIn stärker ins Bewusstsein zu rücken:
HINWEIS: Ein fortlaufendes Gewahrsein oder Achtsamkeit dafür aufrecht halten, was in diesem Moment gerade geschieht. Heißen Sie alle Ihre Gedanken und Empfindungen offenherzig willkommen. GANZ WICHTIG: Loslassen der Neigung, die wir alle haben, Dinge anders haben zu wollen, als sie jetzt gerade sind!
Paschimottanasana Vorwärstbeuge im Sitzen mehrmals hintereinander üben:
Einnehmen - halten - herausgehen aus der Asana
Dabei das Gewahrsein (Achtsamkeit) auf verschiedene Ebenen lenken:
Das Körperbewusstsein - Muskulatur - Spannungen aufbauen / lösen
Die Atmung - Wahrnehmen von Atemräumen, Atembewegungen
Geist - die Übung in der Vorstellung durchführen - im Liegen während einer kurzen Zwischenentspannung
Bewegungen des Geistes - Bilder, Gedanken, Erinnerungen betrachten Gefühle und Stimmungen beobachten nur registrieren, statt zu bewerten
Fortsetzung:
Yoga und Emotionen
Wie Emotionen mein Verhalten lenken